Ratgeber für Spot-UV und Relieflack: Datenanlage, Materialwahl und Weiterverarbeitung
Einführung
Partielle UV-Lacke und Relieflacke, auch Spot-UV oder Relief-UV genannt, sind wirkungsvolle Veredelungen. Sie schaffen Glanzkontraste, taktile Effekte und heben Logos, Schriften oder grafische Elemente klar hervor.
Damit das Ergebnis in Produktion und Weiterverarbeitung hochwertig und fehlerfrei wird, sind bei Datenanlage, Materialwahl und Zuschnitt viele Details zu beachten. Dieser Ratgeber fasst alle relevanten Punkte zusammen, von der Datenstruktur über Mindestbreiten und Lackstärken bis zu praktischen Schnitt-Tipps und Problemlösungen.
1. Grundprinzip: Was ist Spot-UV oder Relieflack?
- Spot-UV ist ein lokal aufgetragener, UV-härtender Lack. Er kann flach glänzen oder schichtweise aufgetragen werden, um einen fühlbaren Relief-Effekt zu erzielen.
- Ziel sind starke Kontraste, zum Beispiel matte Flächen gegenüber glänzenden Lackflächen.
- Typische Anwendungen sind haptische Akzente auf Titeln, Logos, Schriften oder grafischen Details.
2. Datenstruktur: Warum separate Datensätze wichtig sind
- Es sollten immer mindestens zwei Datensätze geliefert werden: eine Druck-PDF für das eigentliche Druckmotiv und eine separate Lack-PDF.
- Die Druck-PDF enthält das 4c-Druckmotiv.
- Die Lack-PDF enthält ausschließlich die Lackinformationen.
- Lackdaten müssen in einer eigenen Druckfarbe angelegt sein, zum Beispiel als „UV“ oder „VARNISH“.
- Die Lackdaten sollten als reiner Schwarzkanal angelegt und exportiert werden.
Vorteile der getrennten Datenanlage
- Klare Trennung zwischen Druckmotiv und Veredelung
- Weniger Fehler durch Überdrucken oder Aussparen
- Bessere Kontrolle in der Produktion
- Saubere Prüfung der Lackflächen vor dem Druck
3. Farbanlage der Lackdaten: Schwarzmodus und Prozentwerte
- Alle veredelten Flächen in der Lack-PDF müssen in 100 % Schwarz angelegt werden, sofern keine Abstufung gewünscht ist.
- CMYK-Werte, RGB-Farben oder ungeeignete Sonderfarben sollten für Lackdaten nicht verwendet werden.
Empfohlene Schwarzwerte nach Anwendung
- Große Flächen und breite Linien: 100 % Schwarz für eine starke Lackauflage.
- Feine Elemente und feine Schriften: 50 bis 75 % Schwarz für eine dünnere Lackschicht, bessere Darstellung feiner Linien und bessere Kantenschärfe.
Warum Prozentwerte sinnvoll sind
Das Lacksystem kann auf Druckdaten mit abgestuften Rasteranteilen reagieren. Dadurch lässt sich die Lackdicke beziehungsweise Lackdeckung über Prozentwerte steuern. Das ist besonders wichtig, wenn feine Details sichtbar bleiben sollen.
4. Mindestbreiten und Mindeststärken für Lackobjekte
- Feine Linien oder Schriften unter 0,5 mm sind kritisch.
- Je nach Schrift entspricht das ungefähr 1,5 bis 2 pt.
- Einfarbige Lacklinien sollten möglichst nicht unter 0,5 mm angelegt werden.
- Flächen, die weniger als 1 bis 2 mm breit sind, können ungleichmäßig lackiert werden.
Empfehlung für feine Elemente
- Sehr feine Vektorlinien möglichst vermeiden.
- Feine Elemente besser als kleine Fläche anlegen.
- Typografische Elemente bei Bedarf größer gestalten.
- Bei sehr kleinen Details vorab eine technische Abstimmung durchführen.
5. Tonwertsteuerung zur Steuerung der Lackmenge
Über Prozentwerte in der Lack-PDF kann die Maschine mehr oder weniger Lack auftragen.
Beispiele
- 100 % Schwarz: maximale Lackwirkung und stärkerer Reliefeffekt.
- 50 % Schwarz: dezenter Glanzeffekt mit geringerer Erhabenheit.
Wichtig: Es gibt keine universelle Norm für die Umsetzung dieser Werte. Deshalb sollte vorab abgestimmt werden, welche Tonwerte für welchen Effekt verwendet werden.
6. Anschnitt, Schnittkante und Abstand zum Rand
- Lack sollte niemals ohne vorherige Abstimmung direkt im Anschnitt oder an der Schnittkante liegen.
- Beim Schneiden kann das Lackbild brechen oder schartig abreißen.
- Lackkanten sollten mindestens 3 bis 5 mm vom endgültigen Schnittrand entfernt platziert werden.
- Lack auf Linien, die später geschnitten oder gefalzt werden, sollte vermieden werden.
Besondere Fälle
Bei Karten, Foldern oder Broschüren kann eine Lackierung in kritischen Bereichen nur nach Abstimmung mit der Weiterverarbeitung sinnvoll sein. Mögliche Maßnahmen sind zum Beispiel ein frisches Messer, das Schneiden mit der Lackseite nach unten oder das Einlegen von Zwischenpapier.
7. Weiterverarbeitung: Schneiden, Falzen und typische Probleme
Typisches Problem
- Lack bricht an Schnittkanten und bröselt.
- Das Ergebnis sind unsaubere Kanten und sichtbare Beschädigungen der Veredelung.
Mögliche Lösungen
- Verwendung scharfer, neuer Messer im Planschneider.
- Schnitt mit Multifinishern, bei denen jeder Druckbogen einzeln geschnitten wird.
- Beim Planschneider die Dokumente so legen, dass die Lackseite unten liegt.
- Kleine Stapel und möglichst wenig Druck verwenden.
- Zwischenlagen beim Stapelschnitt einsetzen, um Abrieb zu reduzieren.
Praktischer Tipp
Vor größeren Produktionsläufen sollte ein Probeschnitt auf dem späteren Material mit Lack durchgeführt werden. So lassen sich Schnittqualität und Lackverhalten realistisch beurteilen. Auf Wunsch können auch Testbogen erstellt werden, die anschließend in der Weiterverarbeitung geprüft werden.
8. Substrate: Welches Papier kann lackiert werden?
- Direkt lackierfähig sind vor allem Chromokartons wie Ensocoat, Invercoat oder Cresendo.
- Diese Materialien nehmen Lack ohne zusätzliche Folierung gut an.
- Naturpapiere, offenporige Papiere, Recyclingpapiere und auch viele Bilderdruckpapiere können problematisch sein.
- Häufige Probleme sind schlechte Haftung oder unregelmäßige Lackverteilung.
Empfehlung
Bei kritischen Materialien sollte vor dem Lackauftrag eine Folienkaschierung eingeplant werden. Fragen Sie im Zweifel vorab, welches Material sich für die gewünschte Veredelung eignet.
9. Laminate und Folien: Matte Folie als ideale Basis
- Matte Folien sind oft die beste Grundlage für Spot-UV und Relieflack.
- Der UV-Lack wirkt auf Mattfolie besonders glänzend und kontraststark.
- Auf Hochglanzfolie fällt der Lackeffekt deutlich weniger stark auf.
10. Passmarken, Register und Produktionsmarken
- Die Lackmaschine benötigt Passmarken beziehungsweise Registermarken, um die Lackflächen exakt zu positionieren.
- Ohne präzise Marken kann keine saubere Registerlage der Lackapplikation gewährleistet werden.
- Die Folge können sichtbare Versätze zwischen Druckmotiv und Lackfläche sein.
Anforderungen an die Druckdaten
- Die angegebenen Marken, zum Beispiel Cropmarks oder Registration Marks, sollten auf allen Seiten implementiert werden.
- Die Lack-PDF darf diese Marken enthalten.
- Alternativ kann eine separate Markenebene bereitgestellt werden. Das sollte vorab abgestimmt werden.
Vorlagen zu den Marken finden Sie hier:
https://www.hemmersbach-druck.de/druck-services/vorlagen-druckbogen/
11. Datenaustausch und Dateiformat: Best Practices
- Druck-PDF als PDF/X-3 liefern.
- Bilder mit 300 dpi einbetten.
- Schriften in Kurven umwandeln.
- Lack-PDF separat und in Schwarz anlegen.
- Dateien eindeutig und konsistent benennen.
Beispiel für sinnvolle Dateibenennung
- Projekt_Job_Druck.pdf
- Projekt_Job_UV.pdf
12. Häufige Fehlerquellen und Lösungen
Lack liegt im Anschnitt
- Problem: Der Lack kann beim Schnitt abplatzen.
- Lösung: Lack nicht in den Beschnitt setzen und mindestens 3 bis 5 mm Abstand zum Endformatrand einhalten.
Feine Schrift fehlt im Lack
- Problem: Die Schrift wurde zu dünn angelegt, zum Beispiel unter 0,5 mm.
- Lösung: Schrift oder Linie auf mehr als 0,5 mm erhöhen oder als Fläche anlegen.
Unterschiedliche Lackstärken bei großen und kleinen Flächen
- Problem: Die Auftragsmenge ist nicht passend auf die jeweilige Fläche abgestimmt.
- Lösung: Große Flächen in 100 % Schwarz anlegen, feine Schriften oder Linien eher mit 75 % oder 50 % Schwarz.
Lack „blutet“ auf rauem Papier
- Problem: Das Substrat ist saugend oder offenporig.
- Lösung: Ein anderes Material wählen oder eine Folienkaschierung vorsehen.
13. Checkliste für die Datenübermittlung
- Getrennte PDFs für Druck und Lack liefern.
- Lackdaten eindeutig als Spot-UV beziehungsweise UV-Lack kennzeichnen.
- Passmarken korrekt anlegen.
- Beschnitt einhalten, in der Regel 3 mm Beschnittzugabe.
- Schriften in Kurven umwandeln.
- Bilder einbetten und mit 300 dpi anlegen.
- Material angeben.
- Gewünschte Lackwirkung beschreiben, zum Beispiel flach glänzend oder reliefstark.
- Kritische Bereiche wie Rand, Falz oder Schnittkante vorab abstimmen.
14. Fazit: Gute Planung verhindert Produktionsprobleme
Partielle Veredelungen hängen stark von Datenqualität, Materialwahl und Weiterverarbeitung ab. Eine sorgfältige Vorbereitung und enge Abstimmung mit der Druckerei minimieren Fehler und sorgen für ein hochwertiges Endprodukt.
Besonders wichtig sind die klare Trennung von Druck- und Lackdaten, das Einhalten der Mindestmaße, ausreichend Abstand zum Anschnitt und die Auswahl geeigneter Materialien.
Kostenlose Datenprüfung vor Produktionsbeginn
Hemmersbach Druck stellt gern eine kostenlose Datenprüfung, also einen Preflight, vor Produktionsbeginn zur Verfügung. Senden Sie dafür Ihre Druck- und Lack-PDFs ein.
Geprüft werden unter anderem Passmarken, Mindestbreiten, Substrateignung und mögliche technische Risiken. Auf dieser Grundlage erhalten Sie konkrete Anpassungshinweise, damit die Veredelung sauber produziert werden kann und es bei der Weiterverarbeitung keine Überraschungen gibt.

